Ein besonderes Schmuckstück

Hell, gemütlich, einladend – so empfinden viele Menschen die Atmosphäre der Melanchthonkirche in Malsch.
 
 
Sie ist gemeinsam mit dem angrenzenden Gemeindesaal Mittelpunkt unseres Gemeindelebens. Hier treffen sich die Menschen, um miteinander Gottesdienst zu feiern und Gemeinschaft zu erleben.
 
 
Die von Prof. Emil Wachter geschaffenen Kunstwerke und die farbliche Gestaltung durch die
Paramente sorgen für eine intensive Ausstrahlung des Kirchenraumes und machen die Melanchthonkirche zu einem besonderen Schmuckstück.
Nicht zuletzt deshalb wird die Kirche auch gerne für kulturelle Veranstaltungen wie Konzerte genutzt.
 
Aus einem Dachbalken von Wachters abgebranntem Elternhaus: Altarkreuz in der Melanchthonkirche
Ein besonderes Schmuckstück ist das Fenster im Altarraum
Die im Jahr 2003 geschaffenen Prinzipalstücke: Altar, Kanzel und Osterkerzenständer 
Bereits zur Kirchweihe der neu erbauten Melanchthonkirche im Jahr 1956 gestaltete der damals noch relativ unbekannte Künstler Emil Wachter aus Karlsruhe die Kirchenfenster und das Eichenkreuz im Altarraum. Eine besondere Verbindung zwischen Wachter und der Melanchthonkirche drückt dabei das große Holzkreuz aus, das aus einem Dachbalken seines 1948 abgebrannten Elternhauses stammt.
Besonders stolz ist die Kirchengemeinde, dass sie nach Umbau und Renovierung der Kirche fast 50 Jahre später erneut Prof. Emil Wachter für die künstlerische Gestaltung der sogenannten Prinzipalstücke - Altar, Kanzel, Tauftisch und Osterkerzenhalter – gewinnen konnte. Im Herbst 2002 begann der mittlerweile 82jährige Wachter mit den Entwürfen.
„Ich musste die Sprache des Holzes lernen“, schilderte er den Schaffensprozess. In ständigem Kontakt und unter Anleitung von Prof. Wachter übernahm der Schreiner Hubert Scherer  aus Waldprechtsweier die gestalterische Umsetzung. Aus Kirsch-, Erlen- und Wengenholz entstanden die reich verzierten, mit Bildern versehenen 'Herzstücke' unseres Gotteshauses.
Eine zentrale Rolle bei der Gestaltung spielt das Motiv des Ecksteines, das vorne am Lesepult integriert ist und auch bei der Gestaltung der Altarseiten sowie anTauftisch und Osterkerzenleuchter in bewusst unregelmäßigen Formen wiederkehrt. Im Epheserbrief heißt es: "So seid ihr nun nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen, erbaut auf Grund der Apostel und Propheten, da Jesus der Eckstein ist."
Am 1. Advent 2003 wurden die Prinzipalstücke in einem feierlichen Gottesdienst eingeweiht und so die frühen Werke Emil Wachters in der Melanchthonkirche durch vier Spätwerke des Künstlers ergänzt.
Osterkerzenhalter und Tauftisch
 
Früh- und Spätwerk von Prof. Emil Wachter bilden in der Melanchthonkirche eine harmonische Einheit

 
 
 
Nach dem Umbau der Kirche im Jahr 2002/2003 konnten die bisherigen Paramente – also die Textilien im Kirchenraum, die die Farben des Kirchenjahres widerspiegeln  - nicht mehr eingesetzt werden. Der Wunsch nach den liturgischen Farben in der Gemeinde war jedoch groß. 
 
Die Paramentenkünstlerin Katharina Hinz entwickelte nach ausgiebigen Gesprächen mit dem Kirchengemeinderat Vorschläge und erhielt schließlich im Juli 2005 den Auftrag, Altarschals und Stolen in den liturgischen Farben grün, weiß, rot, und violett zu fertigen. Sie selbst erläutert ihre Arbeit wie folgt:
"... Auch wenn für die Kirche keine Paramente vorgesehen waren, bestand doch der Wunsch, die liturgischen Farben im Gottesdienst zu zeigen. Gemeinsam mit den Vertretern der Gemeinde wurde die Anfertigung folgender Paramente in den vier liturgischen Farben beschlossen:
  • Altarschals, die quer über den Altartisch verlaufen, so dass sie die Frontseiten nicht verdecken
  • Stolen für den schwarzen und weißen Talar4
  • Tücher für die Feier des Abendmahls.
Die Ausführung sollte in Doupionseide erfolgen, einem 
Im Jahr 2005 wurde das klassische evangelische Beffchen durch Stolen und Altarschals in den litrugischen Farben ersetzt
Material mit kostbarer Wirkung, das leicht glänzt und lebendig schimmert, weil Kette und Schuss aus verschiedenen Farbtönen bestehen. Das Webmaterial dieser indischen Seide wurde also im Strang vor der Verarbeitung gefärbt. Seide wurde zwar seit dem 19. Jh. in der evangelischen Kirche sehr selten verwendet. Dennoch eignete sie sich in Form von Seidendamast oder Seidensamt über viele Jahrhunderte als bevorzugtes Material in den Hochkirchen des Mittelalters.
 
Für die Gestaltung sollte das schon vorherrschende Symbol des auf der Spitze stehenden Ecksteins aufgegriffen werden. Dabei sollte auch die etwas unregelmäßige Formgebung innerhalb der Gestaltung der Prinzipalstücke wiederkehren. Für die Altarschals wurden zwei Motive an den Enden gewählt und für die Stolen je fünf. Der Eckstein und das quadratische Feld sollten zwar liturgische Farben beibehalten, sich aber in den Farbtönen von diesen absetzen. Um das recht steife Gestaltungsschema zu beleben und den changierenden Charakter zu unterstreichen, der von den farbigen Seiden ausgeht, kann bei den Stolen unter Beibehaltung der Symmetrie die Wahl der Farbtöne variieren. Bei der roten Stola war es mir besonders wichtig, die kräftige Farbgebung aufzubrechen, weshalb für die Enden und das Rückenteil ein tieferer Ton und für die Mitte das helle Gelb gewählt wurde. Aufgrund der Tatsache, dass hier eine Einzelanfertigung in Handarbeit ausgeführt wurde, war es möglich, den kostbaren Charakter dieser farbigen Steine mittels unscheinbarer Konturlinien, die der Applikation mehr Plastizität verleihen, zu unterstreichen.
 
Unter der kulturhistorisch tradierten Voraussetzung, dass der Lichteinfall von oben links kommt, wirken die entsprechend ausgerichteten Schrägen heller, da beleuchtet und die abseits liegenden verschattet. Aus diesem Grunde wechseln bei den weißen Paramenten die Farbtöne der Konturen von leuchtend Gelb über Orange, Hellblau bis zur Komplementärfarbe Violett oder bei den grünen von Hellgelb bis Dunkelrot. Bei den violetten Ecksteinen hingegen sind mehrere Blau- und Gelbtöne verarbeitet, wobei häufig zwei Farben nebeneinander liegen. Diese Konturlinien wurden ganz bewusst sparsam genäht, da sie nur eine plastische Wirkung hervorrufen, aber aus einer gewissen Entfernung nicht gesehen werden sollen. Den Unterschied würde man erst bemerken, wenn die farbigen Konturen entfernt würden..."
  

Melanchthonkirche

Melanchthonstr. 14
76316 Malsch